Plasmanitrieren sorgt für verschleißfreie Oberflächen

Wenn man durch das runde Fenster in das Innere der Anlage sieht, sticht im Betrieb vor allem das intensive violette Licht ins Auge. Seit Ende Januar können die derzeit sieben Behandlungskammern der noch jungen PTS Plasma Technik Siegen GmbH in Siegen mit voller Leistung gefahren werden. Die PTS hatte vorher diese Anlagen und das Dienstleistungsgeschäft (sprich den Kundenstamm) der ehemaligen Plasma Technik Grün GmbH (PLATEG) in Siegen-Weidenau übernommen und in eine Halle der ehemaligen Firma Lück Fahrzeugbau nach Kaan-Marienborn verlagert. Mittels Plasma-Nitrierverfahren werden hier Maschinenbauteile, aber beispielsweise auch Zahnräder oder Ventile, Kurbel- und Nockenwellen von Autos mit harten, verschleißfesten Oberflächen ausgestattet.

Die PTS ist zwar ein neues Unternehmen mit derzeit drei Mitarbeitern, aber sozusagen mit alten Bekannten in ihrer „Schaltzentrale“. Sie gehört zur SWF Holding GmbH, die an der Leimbachstraße in Siegen-Mitte die alteingesessene SWF Siegener Werkzeug- und Härtetechnik GmbH betreibt. Dort werden u.a. auch verschiedene Härteverfahren (Salzbad, Gas, Plasma und Vakuum) als Dienstleistungen für einen industriellen Kundenkreis erledigt. Die Gründung der neuen Tochterfirma führt im Übrigen dazu, dass in einigen Wochen auch die beiden Plasma-Nitrieranlagen von SWF nach Kaan-Marienborn verlagert werden. Künftig wird dann die gesamte Plasma-Nitrier-Technik „In der Hellenbach“ konzentriert. Eine enge Anbindung an den Stammsitz ist dabei gegeben, denn es werden beispielsweise die Qualitätssicherung und die Laborkapazitäten von SWF mitgenutzt.

Darüber hinaus wird die PTS nach Angaben von Geschäftsführer Dipl.-Ing. Ernst Langer auch die Zusammenarbeit im Entwicklungs- und Versuchsbereich mit dem Anlagenbauer PVA TePla AG in Wettenberg fortsetzen, wo u.a. Plasma-Nitrieranlagen gefertigt werden. Die PVA hatte zuvor den Anlagenbau der PLATEG übernommen und nach Hessen verlagert. In den sog. Retorten der PTS können Werkstücke bis zu einer maximalen Länge von drei Metern oder mit einem Durchmesser über einem Meter behandelt werden. Anwendung finden dabei das Plasma-Nitrieren, das Plasma-Nitrocarburieren, das Plasma-Nitrocarburieren mit Oxydation sowie Sonderverfahren (Niedertemperatur-Nitrieren).

Was versteht man unter Plasmanitrieren?
Technisch gesehen findet im Grunde genommen eine sog. Aufstickung von Stahlteilen aus meist schwach bis hochlegierten Werkstoffen (und anderen Metallen wie z.B. Titan) statt, um in den Randzonen dieser Werkstücke eine harte verschleißfeste Oberfläche zu erzeugen. Die Behandlungen dauern in der Regel 12 bis 60 Stunden und erfolgen im Temperaturbereich von 400 bis 600 Grad Celsius, indem man in einer evakuierten Retorte (Ofen) eine unterschiedliche Polarität zwischen Ofenraum und Bauteil einstellt. Dabei wird eingeleiteter molekularer Stickstoff von der Ofenwandung auf das Bauteil beschleunigt, der dort beim Auftreffen in atomaren Stickstoff zerfällt und so in die Werkstoffoberfläche diffundieren kann. Im Ergebnis bewirkt dies „gehärtete“ Oberflächen beim Werkstück, mit geringsten Verzügen mittels einer sehr umweltfreundlichen Verfahrenstechnik.

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PlasmanitrierenSeit Ende Januar können die derzeit sieben Behandlungskammern der noch jungen PTS Plasma Technik Siegen GmbH in Siegen-Kaan-Marienborn mit voller Leistung gefahren werden.PTS-PlasmaBlick in das Innere der Plasmanitrier-Anlage:
Im Betrieb sticht vor allem das intensive violette Licht ins Auge.

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